Die
Da-Bach-na-Fahrt in Schramberg –
im Holzzuber den eiskalten Fluten trotzen.
Die Frage mag erlaubt sein, was die "Da-Bach-na-Fahrt"
(für Nicht-Schwaben: die "Den-Bach-hinab-Fahrt")
als Höhepunkt der Schramberger Fasnet mit der Uhr zu tun
hat. Liegt es etwa am pünktlichen Start am Fasnetsmontag
genau um 13.00 Uhr? Nun ja, dieser Zusammenhang wäre doch
etwas zu banal.
Vielmehr steht der Ursprung dieses Ereignisses
in direktem Zusammenhang mit der Geschichte Schrambergs als Uhrenindustriestadt.
Dazu ist ein Blick in die 30er Jahre des letzten Jahrhunderts
notwendig. Die meisten Schramberger wollten gerne am Fasnetsmontag
feiern – nur hatten sie dazu praktisch keine Gelegenheit.
Der Fasnetsmontag war ein ganz normaler Arbeitstag – und
da machte auch die Uhrenfabrik Junghans keine Ausnahme.
Am Fasnetsmontag 1936 – es war der
24. Februar – tagte im Gasthof Bruckbeck das "Junge
Parlament". Dabei handelte es sich um einen ausgedehnten
Frühschoppen kreativer Fasnachtsaktivisten mit Wurstsalatessen.
Dabei wurde dann wohl auch die Frage diskutiert, wie man die Schramberger
Industriearbeiter zumindest am Nachmittag von der Arbeit abhalten
könnte.
Schließlich wurde die Idee geboren,
die Schiltach mit hölzernen Brühzubern – wie sie
damals bei Hausschlachtungen verwendet wurden – zu befahren.
Über die Brücke vor dem Gasthof Bruckbeck gingen damals
Tausende Arbeiterinnen und Arbeiter in die Fabriken, vor allem
eben zur Firma Junghans. Eilends wurden Zuber zusammengetragen
und provisorisch Schilder angefertigt und durchs Städtle,
so dass sich die Nachricht über das Vorhaben rasch verbreitete.
Kurz vor 13.30 Uhr, dem Arbeitsbeginn der Fabriken, erfolgte der
erste Start der Da-Bach-na-Fahrt. Die meisten Arbeiter blieben
aufgrund des aberwitzigen Spektakels stehen und gingen dann nicht
mehr in die Fabriken. Und obwohl es wie in einem Märchen
klingt, seitdem arbeitet in Schramberger Firmen praktisch niemand
mehr am Fasnetsmontag.
Heute ist die Da-Bach-na-Fahrt ein nasses
Vergnügen für die Teilnehmer und ein grenzenloser Spaß
für die rund 25.000 Zuschauer am Ufer der Schiltach. Die
Da-Bach-na-Fahrt ist somit quasi zu einem "Markenzeichen"
Schrambergs geworden. 80 Zuberkapitäne, darunter auch viele
wagemutige Frauen, werden von der Da-Bach-na-Fahrer-Gilde zum
Start zugelassen. Nur drei Wochen haben die Teams Zeit, die von
der Narrenzunft gestellten Brühzuber in ein möglichst
originelles und prächtiges Gefährt zu verwandeln.
40 bunt dekorierte Zuber werden jedes Jahr
zur Startrampe geschoben. Mit fantasievollen Aufbauten werden
sowohl lokale Themen wie auch Weltpolitisches auf die Schippe
genommen. Der Start- und der Schlussfahrer fahren jedoch in traditionellen
"Kleidle". Punkt 13.00 Uhr fällt der Startschuss.
An der knapp 600m langen Fahrtstrecke erwarten die Zuberkapitäne
einige Schikanen. So ist für viele ein Bad in den eiskalten
Fluten vorprogrammiert. Angefeuert werden die Kanalfahrer je nach
Zustand von Gefährt und Besatzung mit "Patsch nass",
"furztrocken" oder "Kanal voll", wobei es
nur wenige schaffen, völlig trocken am Ziel anzukommen. Am
Abend werden die Sieger bei einem Ball geehrt. Die Wertungsrichter
entscheiden nach Originalität des Mottos, nach Kleidung der
zweiköpfigen Zuberbesatzung, nach einer "guten Figur"
während der Fahrt und nach einer möglichst heilen Ankunft.
Übrigens, die nächste Da-Bach-na-Fahrt findet am 23.
Februar 2004 statt.
zurück
|